Gleich zu Beginn des Unterrichtsbetriebes der Grundschule Buchloe an der Professor-Neher-Straße begann die Suche nach passenden Namensvorschlägen. Zwei Grundschulen am Ort sollten nicht nur durch den Zusatz des Straßennamens voneinander unterschieden werden können.
Ein Schulname sollte gleichsam Programm- und Profilgeber werden.
Die Grundschule im Buchloer Westen hat keine jahrzehntelange Vorgeschichte, die einen Schulnamen thematisch vorzeichnen könnte, wie z.B. Projekte etc..
Wichtig für das Team der MSG ist, dass der Schulname
- ein individueller Name ist.
- kein „Modename“ ist.
- wenn möglich eine Persönlichkeit aus Buchloe oder Umgebung bezeichnet, also Regionalbezug gegeben ist.
- zu einer Leitfigur gehört, die für die Kinder Vorbild sein kann.
- zum Schulprofil passt.
- Anregungen für Unterricht und Projekte gibt.
„Meinrad Spieß“ als Schulnamensgeber erschien dem Team als idealer Vorschlag, weil er
- ein Zeichen der Heimatverbundenheit darstellt und Stolz auf die nahe Heimat hervorrufen kann, im „Gegensatz“ zu Europäisierung und Globalisierung.
- er eine Hommage an die Schüler aus Honsolgen ist, die zu unserem Schulsprengel gehören.
- zu unserer religiös und musikalisch geprägten Schule passt.
Kollegium und Elternbeirat stimmten geschlossen dafür, „Meinrad Spieß“ als Schulnamensgeber zu wählen. Ebenso konnte der Stadtrat von unserem gewünschten Schulnamen überzeugt werden.
Das große Schild an der Nordwand der Schule zeigt, dass die Grundschule im Buchloer Westen als einzige Schule weltweit seit 4. Juli 2008 stolz den Namen „Meinrad-Spieß-Grundschule“ trägt.
Alfred Goldmann hat das Leben von Meinrad Spieß, dem Musikprior von Irsee, im gleichnamigen Buch beschrieben. Dieser Band diente dem Schulteam als wichtigste Quelle, um sich über den Namensgeber zu informieren.
(Goldmann, Alfred, Meinrad Spieß. Der Musikprior von Irsee, Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn 1987)
Zur Person Meinrad Spieß:
Matthäus Spieß – später Pater Meinrad - wurde am 24. August 1683 als siebtes von acht Kindern in Honsolgen geboren, in einer Zeit, in der die Bevölkerung immer noch unter den Folgen des Dreißigjährigen Krieges litt. Sein Vater verdiente den Lebensunterhalt der Familie als gelernter Weber und u.a. auch als Aushilfslehrer in Honsolgen. Der begabte Sohn Matthäus kam als Chorknabe ans Kloster Irsee. Er lebte und lernte dort, wurde in den „gymnasialen Fächern“ unterrichtet und zeichnete sich schon als Kind durch seine musische Begabung und Musikalität aus. Spielend erlernte er beispielsweise das Klavier- und Orgelspiel. Als Benediktinermönch und Priester setzte er seine Musikstudien in Ottobeuren fort.
Pater Meinrad – so sein Ordensname - wurde mit 33 Jahren zum ersten Mal zum Prior, also Stellvertreter und Berater des Abtes, gewählt. Er übte weitere angesehene Funktionen aus wie Novizenmeister, Musikdirektor der Benediktinerabtei und Vikar und Seelsorger für die Pfarrei Irsee. Meinrad Spieß studierte Philosophie und Theologie, war aber auch in Mathematik und anderen Naturwissenschaften sehr bewandert. Er interessierte sich für heimatkundliche Begebenheiten; auch dass er den schwäbischen Dialekt sprach und pflegte, zeigt seine große Heimatliebe.
Als Komponist von Messen, Liedern und auch Opern galt er als bedeutendster Repräsentant des süddeutschen kirchen-musikalischen Spätbarocks.
Er machte seinen Einfluss auch und vor allem als führender Musikgelehrter und – theoretiker geltend. Sein wichtigstes Werk ist betitelt mit „Tractatus musicus - über Grundlagen der Komposition“. Exemplare davon befinden sich in Bibliotheken in Cambridge, London, Paris, Moskau und New York. Auch im heutigen schwäbischen Bildungszentrum steht in der ehemaligen Benediktinerabtei Irsee eine Vitrine mit einer Ausgabe des “Tractatus musicus”.
Meinrad Spieß unterhielt als Mitglied der „Correspondierenden Societät der musikalischen Wissenschaften in Deutschland“, die auf 20 Mitglieder beschränkt war, rege Kontakte zu weit bekannteren Zeitgenossen wie Georg Philip Telemann, Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach. Zudem war der Benediktinerpater Berater von Leopold Mozart und somit indirekter Lehrmeister des musikalischen Genies Wolfgang Amadeus Mozart.
Den Namensgeber unserer Schule verband eine geistige Freundschaft mit Anna Höß, also der heute heilig gesprochenen Franziskanerin Crescentia von Kaufbeuren. Die Verbindung äußerte sich in einem regen Briefwechsel, gegenseitigen Besuchen und dem Austausch kleiner devotionaler Geschenke.
Pater Meinrad Spieß starb im Juni 1761 im Kloster Irsee.
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