7.1 Persönlichkeitsentwicklung
Ein wesentliches Ziel unserer Arbeit ist es, dass das Kind zu einer eigenständigen Persönlichkeit heranwächst.
Jedes Kind unterscheidet sich durch seine Persönlichkeit und Individualität von anderen Kindern durch seine Erfahrungen, Stärken und Schwächen, Eigenaktivitäten und sein Temperament. Uns ist es wichtig, das Kind so anzunehmen, wie es ist, sein Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zu stärken durch gezielte Beobachtungen und individuelle Förderungen. Ein Angenommensein, ein Sich-Wohl-Fühlen hilft dem Kind, die eigenen Gefühle zu äußern und die Frustrationstoleranz zu steigern.
So viel Freiheit wie möglich
So viel Grenzen wie nötig.
2-4 jährige Kinder brauchen viel Zuwendung und Wärme. Sie brauchen gleich bleibende Abläufe, wiederkehrende Rituale, Regeln und Grenzen. Das gibt den Kindern Sicherheit und unterstützt sie in ihrer Selbstständigkeit.
Jüngere Kinder zeigen eine ungebremste Neugierde und Lust am Entdecken und Ausprobieren, eine Spontanität und Freude im Zusammensein mit anderen Kindern. In dieser Neugier junger Kinder liegen vielfältige pädagogische Chancen, die wir Erzieherinnen nützen.
In jeder Gruppe hat das Kind die Möglichkeit und die Chance Beziehungen aufzubauen, die durch Sympathie und gegenseitigen Respekt gekennzeichnet sind. Im Freispiel, im Stuhlkreis, bei Bilderbuchbetrachtungen lernen die Kinder spielerisch, wie wichtig es ist, andere aussprechen zu lassen, Äußerungen wahrzunehmen, zuzuhören und eigene Gedanken mit einfließen zu lassen. Dabei lässt es sich nicht vermeiden, dass Konflikte entstehen. Mit Geschichten, Rollenspielen, Märchen und Gesprächen unterstützen und ermuntern wir die Kinder selbst nach Lösungen zu suchen und diese auch zu realisieren.
Auch die Übernahme von Verantwortung schult die Selbständigkeit. Das beginnt beim An- und Ausziehen in der Garderobe, bei aktiver Mitgestaltung des Gruppenraumes und endet mit den Arbeiten des täglichen Lebens (z.B. Abspülen, Stühle stapeln, kleine Botengänge, Spiel- und Beschäftigungsmaterial aufräumen, Patenschaften übernehmen für Jüngere bei Kindergarteneintritt).
Für eine gesunde Entwicklung der Kinder ist eine Atmosphäre optimal, die die Balance zwischen Freiraum und Selbstbestimmung hält. Gerade bei unseren wöchentlichen Turntagen ist es uns ein Anliegen, den Kindern Spaß und Freude an Bewegung zu vermitteln. Turn- und Tanzspiele, verschiedenartige Turnmaterialien, freies Ausprobieren an der Bewegungsbaustelle laden dazu ein. Unser Weidentunnel, die Kletterbäume, der Sandkasten mit Wasserstelle, Pferdeleinen, Pedalos, die Schaukeln und die Rutsche im Garten spornen die Kinder zu Aktivitäten an und geben genügend Freiraum zum Ausprobieren.
7.2 Sozialverhalten
Durch den Eintritt in den Kindergarten erweitert sich das soziale Umfeld der Kinder. Wir unterstützen die Kinder, sich im Kindergarten und insbesondere in der Gruppe zurecht zu finden. Im Leben und auch in der Kindergartengruppe sind gewisse soziale Verhaltensweisen notwendig, um Freunde zu finden, Konflikte zu lösen und Freude an der Gemeinschaft zu erfahren. Durch Gespräche helfen wir, Verständnis und gegenseitige Akzeptanz zu entwickeln und einen liebevollen Umgang miteinander zu pflegen. Dabei ist es besonders wichtig, dass jedes Kind seinen Platz in der Gruppe findet und die Möglichkeit wahrnimmt, Beziehungen aufzubauen. Den Kindern soll das Gefühl vermittelt werden, dass wir immer ein offenes Ohr für ihre Bedürfnisse haben.
2-4 jährige Kinder sind in der Regel weniger belastbar, haben ein höheres Sicherheitsbedürfnis und brauchen mehr Begleitung in ihrem Tun.
Viele sozialemotionale Fähigkeiten (das Miteinander-Umgehen-Lernen), sich selbst zurückzunehmen und eine Sensibilität für die Bedürfnisse Anderer sollen erlernt werden.
Hilfreich dabei ist ein strukturierter Tagesablauf und unsere Vorbildhaltung. Durch eine gezielte Auswahl von Gesellschaftsspielen, Bilderbücher, Geschichten, Märchen und Rollenspielen lernen die Kinder spielerisch ein kooperatives Umgehen miteinander.
7.3 Sprache
Von Anfang an versucht jedes Kind mit seiner Umwelt zu kommunizieren - mit Gestik, Mimik und Lauten. Das Kind erwirbt Freude am Sprechen, lernt aktiv zuzuhören und seine Gedanken und Gefühle sprachlich mitzuteilen. Sprache hat eine Schlüsselfunktion: sie ist die Voraussetzung für schulischen und beruflichen Erfolg.
Um diesem hohen Stellenwert gerecht zu werden, ist es für uns im Kindergarten zunächst wichtig eine Atmosphäre zu schaffen, in der Kinder Wertschätzung erfahren und ihre Sprache weiter entwickeln können.
Das Gespräch gehört zu den wichtigsten Formen der Sprachförderung. Hierbei bietet die Freispielzeit unter anderem einen idealen Rahmen.
Die Leseecken, in jeder Gruppe gemütlich und attraktiv ausgestattet mit Bilderbüchern, Sachbüchern, Märchenbücher und Lexika, haben bei uns einen hohen Stellenwert. Der Besuch der örtlichen Bücherei ist ein weiterer Bestandteil unseres Angebotes.
Das Erzählen und Vorlesen von interessanten, sachbezogenen Geschichten fördert das intensive Zuhören, die Phantasie und die Konzentration.
Durch Reime, Fingerspiele, Gedichte und Lieder wecken wir bei den Kindern das Bewusstsein für Sprachrhythmus.
Die Puppenecke, mit all ihren Verkleidungsmöglichkeiten, eignet sich besonders für Rollenspiele und für das damit verbundene freie Sprechen.
Abschließend sei gesagt, dass Eltern das wesentlichste Glied für die Sprachentwicklung sind.
7.4 Religiöse Erziehung
In der Familie wird der Grundstock für eine religiöse Erziehung gelegt. Wir vermitteln christliche Werte (Nächstenliebe, Toleranz, Lebensbejahung) und Normen (helfen, teilen) des Miteinanders durch unsere Vorbildhaltung und für Kinder erlebbar machen. Wichtig ist uns das tägliche Gebet oder Lied zum Tagesbeginn beim Morgenkreis.
Durch biblische Geschichten wie z.B. die „Taufe Jesu“ hören die Kinder von grundlegenden Wertvorstellungen, die für den christlichen Glauben bestimmend sind. So fließen zahlreiche religiöse Erfahrungen täglich in unseren Kindergartenalltag mit ein.
Als Kath. Einrichtung ist es unsere Aufgabe, die religiösen Feste im Jahreskreis zu planen und zu gestalten. Die Natur, und besonders die Früchte der Natur als Gottes Schöpfung und Geschenk zu erleben, spiegelt sich in unserer alljährlichen Erntedankfeier wider. Dies ist die erste religiöse Erfahrung im Kindergartenjahr. Es schließt sich die Martinsfeier mit Laternenumzug und die Nikolausfeier im Wald bzw. in der Gruppe an.
Wer waren diese Heiligen aus vergangenen Tagen und was können die Kinder von ihnen lernen? Bilderbücher, Erzählungen, Rollenspiele, Dias, Lieder und Fingerspiele helfen uns dabei auf diese Fragen Antworten zu finden.
Täglich kurze Geschichten aus dem Adventskalender, eine selbst von den Kindern aufgebaute Krippe und eine Lichtfeier lassen uns bewusst den Geburtstag Jesu feiern. Ostern – ein Fest des Lebens und der Auferstehung – schließt sich an. Als Arbeitshilfe nutzen wir das Konzept der „religionspädagogischen Praxis“ von Franz Kett, welches auf dem Erleben und Erfahren als grundlegenden Prinzipien basiert. Es möchte die Kinder zur Offenheit mit allen Sinnen hinführen. Die selbstgebastelten Osterkerzen werden im Rahmen einer kleinen Osterfeier von unserem Herrn Pfarrer gesegnet.
7.5 Motorische Entwicklung
Grobmotorik
Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang und wollen diesen ausleben. Bewegung zählt zu den grundlegenden Betätigungs- und Ausdrucksformen von Kindern. Es ist ein wichtiges Mittel, Wissen über die Umwelt zu erwerben, ihre Umwelt zu „begreifen“.
Kinder sollen im pädagogischen Tagesangebot ausreichend Gelegenheit erhalten, ihre motorischen Fähigkeiten zu erproben. Über Körper und Bewegungserfahrungen baut sich das Kind ein Bild von seiner Person auf. Eine umfassende Bewegungserziehung verhilft den Kindern zu körperlichen und seelischen Wohlbefinden. In dem wir ihnen unterschiedliche Erfahrungsmöglichkeiten mit Bewegung geben und sie mit Bewegungsabläufen vertraut machen, können sie Selbstsicherheit und Vertrauen gewinnen. Die Kinder werden beim Turnen im motorischen Bereich, wie z.B. Koordination ihrer Bewegungen, Geschicklichkeit, Gleichgewicht und Kondition gefördert. Wir turnen mit Geräten, Sprossenwand, Langbank, Matten, Rollbretter, Kleingeräte aus dem Turnwagen. Bei Wett- oder Bewegungsspielen üben sie soziale Verhaltensweisen mit anderen Kindern ein und der emotionale Bereich wird dabei ebenso geschult (verlieren, Hilfestellung geben).
Körperliche Geschicklichkeit und Selbstsicherheit beeinflussen das Ansehen in der Gruppe. Wir turnen wöchentlich in Kleingruppen und jede Gruppe hat ihren festen Turntag.
Bei schönem Wetter turnen wir auch im Freien. Gymnastik, Wettläufe, balancieren am Balken, klettern am Kletterhaus, mit Bällen oder mit dem Fallschirm, bereiten den Kindern viel Spaß.
Feinmotorik
Beim Malen, Basteln, Weben, Falten, Fädeln, Umgang mit der Schere, fördern wir die Kinder in ihrer Feinmotorik. Wir bieten zusätzlich Knetmasse, Bügelperlen, Steckspiele und Lego an.
2-4 jährige Kinder benötigen oftmals mehr Anregung und Erklärung, sowie Hilfestellung bei den entsprechenden Verrichtungen.
Aktivitäten und Angebote werden auf die Bedürfnisse und Fertigkeiten jüngerer Kinder ausgerichtet. Sie können auch über das Zuschauen sehr viel für sich profitieren.
7.6 Kreativitätserziehung
Kinder haben mit ihrer Neugierde und Unbekümmertheit die besten Voraussetzungen zur Entfaltung der Kreativität. Wir unterstützen die Kinder schöpferisch tätig zu werden und regen damit die Phantasie an.
Dabei sollte bei den 2-4 jährigen Kindern vor allem der Spaß am Experimentieren mit den verschiedenen Materialien (z. B. Wachsmalstifte, Kleisterfarbe, Knete) im Vordergrund stehen. Einfache Maltechniken, wie beispielsweise der Umgang mit Fingerfarbe oder Drucktechniken mit den Händen oder Korken eignen sich als erste Angebote für Dreijährige. Hierbei erwerben die Kinder das Grundverständnis von Farben und Formen und den Umgang mit ihnen.
Im Umgang mit Farben und Papier, Ton, Holz und Naturmaterialen werden Kinder zu selbständigem gestalterischem Handeln angeregt. Kinder haben das Bedürfnis ihre Eindrücke zu verarbeiten und ihr Vorstellungsvermögen zu bereichern. Dadurch werden Wahrnehmungsfähigkeit, Ausdauer und Fingerfertigkeit gefördert und das Sprech- und Denkvermögen geschult.
Am Maltisch stellen wir unseren Kindern verschiedene Materialen zur freien Verfügung, zeigen ihnen verschiedene Techniken und lassen sie auch zu bestimmten Themen malen. Diese Kinderarbeiten schmücken unsere Zimmer und Garderoben.
7.7 Rhythmisch-musikalische Erziehung
Unser Hauptanliegen ist es hier, dass die Kinder Freude an Musik und Bewegung bekommen und lernen, ihre Körperinstrumente (Klatschen, Stampfen, Schnipsen, Summen usw.) als rhythmische Begleiter einzusetzen. In Kleingruppen machen die Kinder ihre ersten Erfahrungen mit Orff-Instrumenten. Besonders beliebt und weiterführend sind hier Klanggeschichten, bei denen Rhythmus, Bewegung und Sprache eine Einheit bilden. Oft können sich Kinder durch Musik und Bewegung leichter mitteilen als durch Sprache z.B. bei Singspielen schlüpfen sie in eine bestimmte Rolle. Angesichts der vielen akustischen Reize, die auf die Kinder eindringen, fällt aufmerksames und konzentriertes Hinhören immer schwerer. Uns ist es wichtig, dass Kinder gerade klassische oder meditative Musik als Möglichkeit entdecken Entspannung zu erfahren.
Beim gemeinsamen Singen von Liedern steht der Spaß im Vordergrund. Außerdem entdecken die Kinder dabei ihre eigne Singstimme und eignen sich ein kleines Repertoire an Liedern an.
Bei den Zwei- bis Vierjährigen nehmen musikalische Kreis- und Bewegungsspiele einen großen Platz ein, da sie dem natürlichen Bewegungsdrang der Kinder entgegen kommen. Dabei sollte Gelerntes öfters wiederholt werden, da jüngere Kinder nach Vertrautem und Bekanntem verlangen, um sich darin auszuleben.
7.8 Gesundheitserziehung
Die Kinder sollen lernen, Verantwortung für ihr eigenes Wohlbefinden zu übernehmen. Dazu gehört Wissen über ein gesundheitsbewusstes Leben.
Ernährung
- Bei gemeinsamen Mahlzeiten wird der Tisch schön gedeckt und genussvoll gegessen
- Kinder bereiten gesunde Malzeiten zu
- Sie eignen sich Wissen über die Folgen ungesunder Ernährung an
Hygiene
Körper- und Gesundheitsbewusstsein
- Die Kinder eignen sich Wissen über ihren Körper an und lernen auf die Signale des Körpers zu hören.
Schutz des eigenen Körpers
- Die Kinder lernen Gefahren einzuschätzen z.B. im Garten
- Bei gemeinsamen Spaziergängen üben wir das richtige Verhalten im Straßenverkehr
7.9 Forschen und Experimentieren (Naturwissenschaft und Technik)
Kinder sind von Natur aus neugierig, wollen ausprobieren, beobachten und fragen nach.
Hier sind wir aufgerufen, diesen Forscherdrang aufzugreifen und durch attraktive Lernangebote weiterzuführen; z. B. säen unsere Kinder selbst das Ostergras ein, beobachten, pflegen und beschreiben das Wachstum. Die dabei gewonnenen Erfahrungen lassen sich in Experimenten weiter vertiefen, um ein Thema ganzheitlich zu bearbeiten, z. B. experimentieren wir mit Eiern.
Ein Experimentierkasten mit vielen wertvollen Utensilien, ist für uns eine große Hilfe, um altersgerechte Angebote anbieten zu können.
Die Intensivräume unseres Kindergartens funktionieren wir sporadisch in kleine „Labors“ um. Es ist uns wichtig, den Erfahrungsbereich der Kinder zu erweitern. Das Kinderreich im Deutschen Museum in München bietet die Möglichkeit, die ersten Schritte in die Welt der Technik und Naturwissenschaften zu unternehmen. Für unsere Kinder ein wahres Erlebnis.
Unsere Werkbank mit Werkzeugen und handwerklichen Materialien animiert die Kinder zu Arbeiten, die sie auch mit nach Hause nehmen dürfen.
Auf diese Weise vernetzen sich die Bildungsprozesse von Kindergarten und Elternhaus.
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